Keine Ziege bei Frank Koine zum Fest

Wittenberg: Während in der Stadtkirche eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium anhebt, startet draußen Frank Koine seinen Teil des Bühnenprogramms auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt der Vereine. Text: Corinna Nitz Foto: Klitsch

Man kann die Parallelität der Ereignisse unglücklich finden oder auch ärgerlich, weil Musik, welcher Art auch immer, nun mal mit Geräusch verbunden ist. Man kann aber auch versuchen, es positiv zu sehen, respektive die Vielfalt in den Vordergrund stellen.
Zur Vielfalt draußen auf dem nördlichen Kirchplatz gehört unter anderem eine Bigband, kurz nach 18 Uhr übernimmt der aus Nairobi stammende Jugendpastor Koine. Begleitet wird er von einem kenianischen Freund, der den schönen Namen Israel trägt. Israel ist Jazz-Saxofonist, jetzt spielt er EPiano. Koine singt „Joy to the World“, kraftvoll und freudig, wie es das Lied und die Zeit gebieten,
schließlich gibt es im Advent Grund zur (Vor)Freude, oder wie es das bekannte Weihnachtslied aus dem angelsächsischen Raum verheißt: Freue dich Welt, der König naht! Eine Bibel für den Nachwuchs Koine, der mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern seit August in der Stadt lebt, ist nicht nur Jugendpastor sondern auch passionierter Musiker (und Musikproduzent). In Wittenberg soll er im Rahmen des Projektes „Erprobungsräume“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) die Kirche für junge Menschen interessanter machen. Dorthin geholt hat den 40-Jährigen der Stadtkirchenpfarrer Alexander Garth.

Erprobungsraum

Die EKM, die das Projekt „Erprobungsräume“ aufgelegt hat, kommt in Teilen auch für den Aufenthalt von Frank Koine aus Nairobi in Wittenberg auf. Wie Stadtkirchenpfarrer Alexander Garth zur MZ sagt, liege der Anteil bei 50 Prozent. Weitere 20 Prozent kommen demnach vom Evangelischen Kirchenkreis und zehn Prozent aus der Gemeinde. Die „Lücke“ von 20 Prozent müsse Garth zufolge beispielsweise durch Spenden aufgebracht werden. Zu Koines Aufgaben in Wittenberg und im Kirchenkreis gehöre es
u. a., Jugend- sowie Familiengottesdienste aufzubauen und musikalische Projekte umzusetzen. Bei dessen Familie werden die Koines nun auch den ersten Weihnachtsfeiertag verbringen. Garth sagt zur MZ: „Das wird ganz lustig. Wir werden fröhliche Lieder singen und Spiele machen.“ Nur eins wird es nicht geben: Ziege.
Ebendas, Ziegenfleisch gegrillt, gehört bei vielen in Kenia traditionell zum Festtagsessen, erzählt Koine und auch, dass dazu eine Art Fladenbrot gereicht wird. Zu Weihnachten fahren zudem viele aus den Städten auf die Dörfer zu ihren Familien. (Oder wie es mal Chris Rea sang: Driving home for Christmas.) Zuhause für die Koines ist jetzt Wittenberg, sie haben eine Wohnung in St. Martin. Frank Koine berichtet von freundlichen Menschen, die ihn und die Seinen willkommen geheißen haben. Um auch noch einmal auf Heiligabend zurückzukommen, den werden die Koines nach jetzigem Stand in Familie feiern. Dazu gehöre auch, den Töchtern aus einer Kinderbibel vorzulesen.

Pläne und Ideen

Ansonsten muss so ein musizierender Jugendpastor vielleicht auch etwas arbeiten an hohen Festtagen, mehrere Gottesdienste stehen auf dem Programm der Stadtkirchengemeinde, zu der neben der Innenstadtgemeinde unter anderem Friedrichstadt, Dietrichsdorf und Mühlanger gehören. Friedrichstadt und der so genannte Paulus-Bereich fallen in die Zuständigkeit von Garth.
Der verbindet mit Koines künftigem Wirken hier große Hoffnungen, spricht von einer „unglaublichen Frische“, von der die hiesige Gemeinde profitieren könne, wenn der Kirchgang auch für junge Menschen wieder interessant wird - oder beispielsweise mit geplanten Segensfeiern auch solche angesprochen werden, die gar nicht zur Kirche gehören. Pläne und Ideen, so Garth, haben sie viele, nicht zuletzt auch in musikalischer Hinsicht. Und hier kommt noch einmal die eingangs erwähnte Musik ins Spiel. Wie Garth am Montag zur MZ sagt, sei am Samstagabend darum gebeten worden, Koines kleines Konzert zugunsten des Oratoriums in der Stadtkirche einzustellen. Jetzt plant er, Garth, ein großes Konzert im Frühling. Alles wird gut.