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Die 7 Haltun­gen: #1 Hören

#1 Hören

 

„Liebe Gott – und Deinen Mitmen­schen wie Dich selbst“, fasst Jesus das wich­tigste Gebot zusam­men. Und im Gleich­nis vom Barm­her­zi­gen Sama­ri­ter wird deut­lich: Unser nächs­ter ist nicht immer der Mensch, der uns bereits nahe steht und mit dem wir auf einer Wellen­länge sind. Wir sind gewohnt, Menschen inner­halb von Sekun­den einzu­schät­zen und reagie­ren häufig auch dementspre­chend. Doch wird das kaum meinem Gegen­über gerecht.

Den Ande­ren ernst zu nehmen, bedeu­tet, ihm zuzu­hö­ren, seine Sicht­weise zu verste­hen und von ihm zu lernen. Wer ohne Hören meint, zu wissen, was für den ande­ren rich­tig ist, der dient nicht seinem Nächs­ten, sondern höchs­tens sich selbst. Und dann besteht die Gefahr, dass wir es verpas­sen, Gott in dieser Welt zu entde­cken. Denn er wirkt oft gerade dort, wo wir es nicht vermu­ten oder erwarten.

 

Die Erpro­bungs­räume begin­nen und setzen sich fort mit einem stän­dig mehr­fa­chen Hören:

  1. auf den Kontext meines Erprobungsraums;
  2. auf Gott, das, was ich von seinem Wesen und Absich­ten weiß, auf seine Impulse;
  3. auf meine Mitwir­ken­den im Team, in der Lebens­ge­mein­schaft oder Dienstgruppe;
  4. auf die Kirche und was sie mitein­an­der bestim­men soll

 

Die Pfar­re­rin Marga­rita Rein­ders aus Amster­dam bekam von Ihrer Kirche den Auftrag zur Gemein­de­grün­dung in einem nicht­kirch­li­chen Stadt­teil. Schnell erkannte sie, dass ihre bishe­rige Arbeits­weise hier nicht gefragt war. Ihre Lösung: Sie setzte sich regel­mä­ßig in ein Café und lud andere Menschen an ihren Tisch ein. Nun kamen sie gegen­sei­tig ins Gespräch und auch Marga­rita erzählte von ihrer Sorge, wie hier Gemeinde entste­hen könne. Ihre Offen­heit und offen­sicht­li­che Schwach­heit ermun­terte andere zum Gespräch über Gott und die Welt. So formte sich ein zuneh­men­der Kreis von Menschen, die das Gespräch mit ihr schätz­ten – und gern halfen. Allmäh­lich entstand eine neue Gemeinde…

Heute spricht sie gern davon, wie wich­tig es ist, sich verletz­lich und auf Augen­höhe zu zeigen. Niemand erwar­tet, dass wir voll­kom­men und frei von Zwei­feln sind und alle Fragen beant­wor­ten können – auch nicht in Sachen Gott und Glau­ben. Viel­mehr können wir auch auf die Erfah­run­gen, Einsich­ten und Ideen ande­rer vertrauen, wenn wir ihnen zuhö­ren, und lernen dabei immer wieder nicht nur die Welt, sondern auch Gott und uns selbst neu kennen.

 

#1 Hören

HÖREN kann in den Erpro­bungs­räu­men bedeuten: 
  • Auf Augen­höhe begeg­nen: Keine vorschnel­len Rezepte entwickeln
  • Zeit anbie­ten, zuhö­ren, nach­fra­gen, nach­le­sen und lernen
  • Vertrauen inves­tie­ren, Gemein­schaft pfle­gen und die Frei­heit des ande­ren wahren
  • Die eige­nen Eindrü­cke stets reflek­tie­ren und erst dann handeln
  • Hören­des Beten und den Impul­sen mutig folgen
  • Die andere Sicht­weise wirk­lich verste­hen wollen, vom Ande­ren her denken