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Die 7 Haltun­gen: #2 Lieben und Dienen

#2 Lieben und Dienen

 

Dienen ist ein sper­ri­ges Wort. Es scheint Abhän­gig­keit voraus zu setzen und passt kaum in eine Zeit, in der Auto­ri­tä­ten kritisch betrach­tet werden.

Wer dient, stellt sich nicht unbe­dingt „unter“ den ande­ren, aber an dessen Seite. Das bedeu­tet auch: Ich stelle mich mit meinen Vorstel­lun­gen erst­mal „hinten an“. Ich sehe den ande­ren als gelieb­ten Menschen. Beim Hören (Haltung 1) entde­cke ich seine Bedürf­nisse und nehme an seinem Leben Anteil. Ich versu­che zum Beispiel trotz des frem­den Musik­ge­schmacks oder der muffe­li­gen Klei­dung nicht auf Distanz zu gehen.

Lieben und Dienen erwächst aus einer dienen­den Haltung. Es ist keine Methode. Unser Gegen­über merkt schnell, ob es uns bei unse­ren guten Taten eigent­lich nur um den eige­nen Erfolg geht. Helfen kann nämlich auch Ausdruck der Arro­ganz sein.

Lieben und Dienen macht nicht Halt an der Mitglied­schafts­grenze. Es gilt unse­rem Nächs­ten, nicht nur dem Mitchris­ten. Es ist eine elemen­tare Weise unse­rer Verkün­di­gung, die sich an die ganze Welt rich­tet. Viel­leicht ist das liebe­volle Dienen heute so wich­tig wie noch nie im konfes­si­ons­lo­sen Ostdeutsch­land. Die prak­ti­sche Hilfe ist eine Spra­che, die Menschen verste­hen, auch wenn sie den Glau­ben nicht teilen. Deshalb ist für viele wich­tig, dass es die Diako­nie gibt. Christ­li­cher Glau­ben gewinnt über das Dienen Rele­vanz im alltäg­li­chen Leben.

Einfach ist das nicht. Hinten anstel­len kann ich mich nur, wenn ich auch selbst gese­hen werde und meine Angst vorkom­men darf. In Phil 2 wird beschrie­ben, wie Jesus sich zu uns herun­ter beugt, seine gött­li­chen Privi­le­gien aufgibt, einer von uns wird und sogar den Tod auf sich nimmt. Und das alles aus einem dienen­den und lieben­den Herzen, weil wir Menschen ihm so wich­tig sind.

 

Das Jesus Projekt am Roten Berg, einem Plat­ten­bau­vier­tel im Norden Erfurts, gibt es schon seit 10 Jahren. Eine Lebens­ge­mein­schaft und frei­wil­lig Enga­gierte wenden sich mit prak­ti­scher Hilfe den Menschen hier zu. Dies sind meist sozial Schwä­chere, Menschen auf der Straße, Kinder, Flücht­linge und solche, die straf­fäl­lig gewor­den sind.

Einmal haben sie für Kars­ten, der in einem 12-Geschos­ser wohnte und dessen Tod tage­lang keiner bemerkt hatte, eine Trau­er­feier im Foyer des Hoch­hau­ses abgehalten.

#2 Lieben und Dienen

LIEBEN und DIENEN kann in den Erpro­bungs­räu­men bedeuten:
  • Anwalt­schaft für jene, die über­se­hen werden
  • Zeit haben
  • Für andere da sein
  • Nächs­ten­liebe um ihrer selbst willen
  • Anpa­cken, wo nötig
  • Brücken bauen, wo Vertrauen abge­bro­chen ist
  • Die Bedürf­nisse Ande­rer erken­nen und mit ihnen gemein­sam daran arbeiten