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Umbau der EKM

Umbau der EKM – Erprobungsräume

Hinter­gründe, erste Erfolge, Probleme und Perspektiven

Wo Kirche in eine Minder­hei­ten­si­tuation gerät oder Tradi­tionen wegbrechen, macht die Fort­führung klas­si­scher paro­chialer Grund­ver­sorgung wenig Sinn. Die Evan­ge­lische Kirche in Mittel­deutschland (EKM) hat unter dem Schlagwort »Erpro­bungs­räume« ein Groß­projekt für inno­vative christ­liche Sozi­al­formen gestartet. Über Hinter­gründe, erste Erfolge, Probleme und Perspek­tiven – Ein Beitrag von Thomas Schlegel.

Was sind Erprobungsräume?

Ob Gina weiß, was ein Erpro­bungsraum ist? Sicher nicht. Muss sie auch nicht. Obwohl sie zu einem gehört, von dem sie offenbar begeistert ist: »Jedes Mal bekommt man was mit, was einem total viel bringt, was man vorher noch nicht so bedacht hat … und noch viel schöner ist es, sich mit anderen darüber auszu­tau­schen.« Sie spricht über faithtime, den Jugend­got­tes­dienst von Herz­schlag in Nord­hausen. Herz­schlag ist eine Kirche von Jugend­lichen für Jugend­liche, die es gekonnt versteht, zentrale Angebote mit dezen­traler Wirkung zu kombi­nieren: In kleinen Gruppen treffen sich Jugend­liche verlässlich und persönlich an unter­schied­lichsten Orten – und alle gemeinsam in ihrer Kirche, die sie selbst gestalten und füllen: die Alten­dorfer Klos­ter­kirche St. Maria im Tale. »Herz­schlag bedeutet für mich im ganz großen Sinn Gemein­schaft und Glaube … das gibt einem schon irgendwie so’n Rückhalt, dass man weiß: Die zählen auf dich, die rechnen mit dir und freuen sich auch immer, dich zu sehen. Es ist wie eine zweite Familie – fast schon so.«1

Seit 2016 ist Herz­schlag ein Erpro­bungsraum der Evang. Kirche in Mittel­deutschland (EKM). In Erpro­bungs­räumen sollen »andere Sozi­al­formen von Kirche erprobt werden«2. Einige Aspekte dieser Defi­nition werden im Folgenden näher beleuchtet.

Soziale Räume

Der Raum, von dem hier die Rede ist, ist nicht geogra­phisch oder juris­tisch zu verstehen, sondern sozial. Es geht nicht um Gebäude, Gesetze oder Regionen3, sondern um eine andere Form des Mitein­anders. Das kann sich beispiels­weise auch virtuell reali­sieren – wie in dem Konzept der Online-Kirche, die 2017 Erpro­bungsraum wurde und nun sukzessive aufgebaut wird. Passagere und fluide Formen, die Kirche von Bezie­hungen und weniger von Mitglied­schaft her denken, sind eben­falls im Blick (z.B. Markt­treff Creuzburg, Engel am Zug in Erfurt).

Erpro­bungs­räume werden inzwi­schen vermehrt einge­fordert, gerade an den Stellen, an denen die gewohnte Praxis ins Stocken gerät. So werden in Erpro­bungs­re­gionen andere Formen des pasto­ralen Mitein­anders auspro­biert (z.B. klas­sisch im Kirchen­kreis Witt­stock-Ruppin4). Oder »in defi­nierten Gestal­tungs­räumen gibt es die ›Erlaubnis‹, tradi­tio­nelle … Angebote nicht mehr zu machen«5. Bei der Daseins­vor­sorge in entle­genen länd­lichen Gebieten fordern Experten »Frei­räume, um zu expe­ri­men­tieren«6. Sie treten z.B. für eine Lockerung der Berufs­ordnung für Ärzte ein, so dass diese mehr Frei­heiten haben, in mobilen Praxen »umher­zu­ziehen«7. Oft liegt die Stoß­richtung solcher Forde­rungen darin, in Erpro­bungs­räumen recht­liche bzw. orga­ni­sa­to­rische Hürden exem­pla­risch außer Kraft zu setzen. Deswegen war beispiels­weise die Struk­tur­ver­än­derung im Kirchen­kreis Witt­stock-Ruppin flan­kiert von einem Erpro­bungs­gesetz der Evang. Kirche Berlin-Bran­den­bur­g/­Schle­sische Ober­lausitz (EKBO).

Die Erpro­bungs­räume der EKM gehen bewusst einen anderen Weg. Denn juris­tische Engfüh­rungen verhindern i.d.R. nicht eine verän­derte Praxis. Wich­tiger als ein voraus­ei­lendes Außer-Kraft-Setzen von Regeln ist die Moti­vation von Akteuren, Neues auszu­pro­bieren. »Erlaubnis von oben« reicht dafür nicht (mehr) aus. Wenn im Einzelfall dennoch Hürden auftauchen, versucht die Landes­kirche erst dann, pass­genaue Lösungen zu finden.8

Damit wird die entschei­dende Frage thema­ti­siert, wer eigentlich Subjekt der Erprobung ist: Erprobt dort das Landes­kir­chenamt neue Ideen oder probieren Christen vor Ort, das Evan­gelium auf neue Weise zu kommu­ni­zieren? Versucht die Landes­kirche beispiels­weise, durch einen verän­derten Einsatz von Pfar­re­rinnen und Pfarrern in Modell­re­gionen für ihre künftige Perso­nal­po­litik zu lernen? Dies wäre im Grunde ein zentra­lis­ti­sches und hier­ar­chi­sches Modell, weil die Fäden »oben« zusam­men­laufen. Anders, wenn Christen vor Ort mit neuen Wegen expe­ri­men­tieren, Kirche zu sein. Dazu lädt sie die EKM mit den Erpro­bungs­räumen ein. Christen in Städten und Dörfern sind die Subjekte der Erpro­bungen. Die Landes­kirche versucht, die Prozesse frei­zu­geben und tritt dabei als Ermög­licher auf.

Andere volks­kirch­liche Organisationsprinzipien

Ein Erpro­bungsraum soll anders sein, und zwar nicht unbe­dingt in Symbolik, Theo­logie oder Bekenntnis, sondern in Bezug auf volks­kirch­liche Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zipien. Die basalen Merkmale Parochie, haupt­amt­licher Pfarrer und Gebäude werden an einer Stelle außer Acht gelassen, wie z.B. bei der Jugend­kirche: Ihre Ziel­gruppe sind nicht die Kirchen­mit­glieder des Pfarr­be­reichs, sondern Jugend­liche in der Region. Herz­schlag arbeitet nicht parochial.

Freilich zeigt sich an der Jugend­kirche auch, dass anders nicht unbe­dingt neu heißen muss. Denn trotz der Modi­fi­kation um die dezen­trale Wirkung ist das Konzept nicht »neu« im Sinne von »völlig neu«. Aber in Nord­hausen bzw. dem Kirchen­kreis Südharz ist es neu – und somit auch inno­vativ, denn »Inno­vation bezieht sich auf soziale Kontexte, so dass gleiche Hand­lungen in unter­schied­lichen Kontexten und mit verschie­den­ar­tigen Ziel­be­stim­mungen durchaus inno­vativ sein können.«9 Es geht also nicht darum, »Dinge zum aller­ersten Mal zu denken, also zu erfinden, sondern vielmehr …, bereits Bestehendes oder Bekanntes in einem anderen Setting neu zu denken.«10

Eröffnen von Freiräumen

Erpro­bungs­räume werden mit o.g. Defi­nition vor allem negativ beschrieben: Die Kirchen­formen sollen »anders« sein. Wie »anders« konkret aussieht, gibt die Landes­kirche bewusst nicht vor. Das Logo der Erpro­bungs­räume zeigt eine offene Klammer, die in der Mitte einen Freiraum bzw. einen Leerraum entstehen lässt. Genau darum geht es: Um das Eröffnen von Frei­räumen, in denen mit anderen Kirchen­formen expe­ri­men­tiert werden kann.

Das Logo ruft norma­ler­weise eine doppelte Asso­ziation hervor: Die offene Klammer verweist auf das Weglassen. Einen Freiraum zu haben, impli­ziert das Ausbrechen aus manch belas­tender Praxis, so z.B. das Bestands­ver­walten von Gebäuden und Tradi­tionen in den großen länd­lichen Pfarr­be­reichen. Ande­rer­seits weckt die offene Klammer kreative Energie. Der Freiraum als Spiel­wiese, auf der neue Ideen geboren und verwirk­licht werden können. Inter­essant an dieser Reaktion, dass sie eine kyber­ne­tische Konjunktion andeutet: Neue Gemein­de­formen können nur entstehen, wenn Bestehende sterben. Bewährtes um jeden Preis am Leben zu erhalten, behindert das Wachsen von Neuem. Insofern ist dem Sterben-Lassen und Trauern künftig besondere Aufmerk­samkeit zu schenken.

Was meint »Erproben«?

Natürlich legt die Defi­nition auch positiv fest: Erpro­bungs­räume sind Räume, in denen »andere Sozi­al­formen von Kirche erprobt werden«. Als spezi­fische Differenz solcher Räume werden neben »anders« bzw. »Kirche« markiert: das Erproben.

Da die Christen sowohl in volks­kirch­lichen Ecken als auch reli­gi­ons­losen Gebieten der EKM agieren, sehen neue Formen von Kirche ganz verschieden aus. Es kann immer nur kontex­tuelle, also dezen­trale Antworten geben. Diese Vielfalt ist ein Indi­kator für ein komplexes Umfeld. Auf das Cynefin-Framework ist inzwi­schen vielfach rekur­riert worden11, die Beschreibung verschie­dener Lebens­räume half bei den Stra­te­gie­über­le­gungen. Weder das Setzen auf best practice in einem simplen Kontext noch das Orien­tieren an guter Praxis unter kompli­zierten Bedin­gungen war ange­zeigt, sondern der Drei­schritt Probieren-Wahr­nehmen-Antworten. Verän­derte Ansätze stellen sich im komplexen Umfeld ein (emergent) und erst im Nach­hinein können Zusam­men­hänge verstanden werden, wenn es sie über­haupt gibt (chaotic cynefin). Sich mit Entde­ckerlust voran­zu­tasten – darauf kommt es in diesen Bereichen an.

In den Erpro­bungs­räumen zeigt sich diese Haltung u.a. daran, dass die Handelnden nicht wissen, was mittel­fristig passieren wird. Sie fahren auf Sicht. Dies erfordert Vertrauen und Fehler­freund­lichkeit – und zwar vor Ort und auf landes­kirch­licher Ebene. Denn wo auspro­biert wird, geht auch manches schief. Scheitern, Fehler und Sack­gassen müssen zuge­lassen werden. Wo abre­chen­barer Erfolg und ausge­feilte Projekt­pläne erwartet werden, entsteht eine Atmo­sphäre, in der man nicht expe­ri­men­tieren kann.

Es entsteht Kirche

So unbe­rührt und offen der Raum des Klam­mer­logos auch sein mag: Darin soll Kirche entstehen. Dies ist das einzige inhalt­liche Kriterium, dem ein Erpro­bungsraum genügen muss. Das heißt aber auch: Es muss nichts anderes als Kirche entstehen. Die gefor­derte Anders­ar­tigkeit bezieht sich auf das Wie, nicht auf das Was. Freilich hat man damit die Sache nicht verein­facht, sondern verkom­pli­ziert. Denn alle ekkle­sio­lo­gi­schen Probleme liegen nun auf dem Tisch: Was ist Kirche? Um das zu beschreiben, haben wir eher vermit­telnd verschiedene Tradi­ti­ons­linien kompi­liert: die klas­si­schen drei (bzw. vier) Grund­vollzüge, die Confessio Augustana und Impulse aus der angli­ka­ni­schen Gemein­de­ent­wicklung. Sie sind einge­flossen in gewisse Merkmale, die den Erpro­bungs­räumen zu eigen sein sollen. Diese Merkmale sind noch mit situa­ti­ons­be­zo­genen Erfor­der­nissen ange­rei­chert worden. So weist ein Erpro­bungsraum folgende Kenn­zeichen auf:

1. In ihnen entsteht Gemeinde Jesu Christi neu.
2. Sie über­schreiten die volks­kirch­liche Logik an mindestens einer der folgenden Stellen: Parochie, Hauptamt, Kirchengebäude.
3. Sie erreichen die Uner­reichten mit dem Evan­gelium und laden sie zur Nach­folge ein.
4. Sie passen sich an den Kontext an und dienen ihm.
5. In ihnen sind frei­willig Mitar­bei­tende an verant­wort­licher Stelle eingebunden.
6. Sie erschließen alter­native Finanzquellen.
7. In ihnen nimmt gelebte Spiri­tua­lität einen zentralen Raum ein.

Wo stehen wir?

Erpro­bungsraum der EKM kann werden, wer oder was diese sieben Kriterien erfüllt (oder zu erfüllen beab­sichtigt)12 und sich bewirbt. Wer nur vier Kriterien entspricht, kann einen kleinen Erpro­bungsraum bean­tragen und eine Einmal­för­derung erhalten.13 Bewerben können sich Initia­tiven, Kirchen­ge­meinden oder Kirchen­kreise. Bisher gab es zwei Antrags­wellen, 2016 und 2017. Mittels Ausschreibung wurde auf die Bewer­bungs­mo­da­li­täten aufmerksam gemacht; zu einem fest­ge­setzten Stichtag schließt das Zeit­fenster und die Steue­rungs­gruppe wählt aus den Bewerbern die Erpro­bungs­räume bzw. deren Förderung aus. Das gestufte Auswahl­ver­fahren führt nicht nur zu der einfachen Entscheidung »angenommen/​abgelehnt«, sondern legt auch fest, ob evaluiert, fachlich und juris­tisch beraten und/​oder finan­ziell gefördert wird. Denn all das kann man bean­tragen, die Projekt­kosten jedoch nur zu einer Höhe von 50%.

Derzeit gibt es in der EKM 27 »große« und 5 »kleine« Erpro­bungs­räume. Wenn man sie syste­ma­ti­sieren will, fällt das schwer. Zu unter­schiedlich das Setting, die Ziel­gruppen und der Ansatz­punkt. Immerhin, wenn man diese Kate­gorien zur Hilfe nimmt, zeigen sich Über­schnei­dungen: Am auffäl­ligsten sicher bei den sieben Stadt­teil­pro­jekten, die allesamt in den stark entkirch­lichten DDR-Plat­ten­bau­ge­bieten verortet sind: ob in Stendal, in Sömmerda, Gera, Gotha oder Erfurt. Sie haben eine diako­nische Ausrichtung und wenden sich besonders den sozial Schwachen zu, die in diesen Wohn­ge­bieten häufiger zu Hause sind. Es geht um Haus­auf­ga­ben­hilfe, Tafel­arbeit, Paten­schafts­pro­gramme, Frei­zeit­be­treuung in Sport und Spiel – bis hin zu Wieder­ein­glie­de­rungs­maß­nahmen für straf­fällig Gewordene. Doch im Unter­schied zu kari­ta­tiven Einrich­tungen, die ein ähnliches Angebot vorhalten, verstehen sich die Stadt­teil­pro­jekte als Kirche. Sie insze­nieren mit den Kindern biblische Geschichten und gestalten mit Erwach­senen Glaubenskurse.

Eine weitere Beson­derheit ist das Prinzip der Nähe: Die Mitar­beiter kommen nicht einge­flogen, sondern sie wohnen (meist) auch im Plat­tenbau. Sie sind Nachbarn und gehören so dazu. Es geht weniger um Angebote als um gelebte Bezie­hungen. In Gotha hat der Kirchen­kreis einen Pfarrer in die DDR-Platte entsandt, um dort völlig neu Kirche zu bauen (www​.kirchen​kreis​-gotha​.de/​2​8​6​7​1​.​h​tml). Im Erfurter Norden ist es ein Team von Ehren­amt­lichen, die z.T. unter großem Verzicht seit 10 Jahren am Roten Berg wohnen (www​.jesus​-projekt​-erfurt​.de).

Beim Blick auf die Ziel­gruppen fällt auf, dass neun Erpro­bungs­räume vornehmlich mit jungen Menschen arbeiten. Die Spanne reicht freilich von Kindern bis jungen Erwach­senen. Die evan­ge­lische Grund­schule Hett­stedt beispiels­weise versteht sich selbst als »kirch­licher Ort«14: Hier soll es nicht nur um Werte- und Wissens­ver­mittlung gehen, sondern um gemeinsame Spiri­tua­lität und Seel­sorge. Wenn Schüler abgeholt werden, ist die Pfar­rerin da, bietet schon mal einen Kaffee an und kommt mit den Eltern unge­zwungen ins Gespräch. Liebevoll herge­richtete Räume stehen für Andachten und Begeg­nungen ausrei­chend zur Verfügung. Auch Info­abende über den christ­lichen Glauben hat die enga­gierte Schul­lei­terin dort schon statt­finden lassen – vor allem für inter­es­sierte Lehrer, die selber aus einem konfes­si­ons­losen Umfeld stammen. Als ein Netzwerk von jungen Leuten für junge Leute agiert auch die Escola Popular, eine evan­ge­lische Capoeira- und Samba­schule. Von Brasilien inspi­riert »inter­pre­tieren sie Kirchen­lieder neu, gestalten Schul­pro­jekte, Konzerte, Auftritte sowie Gottes­dienste und bauen lokale Gruppen auf«15. Ihre Auftritte in der Öffent­lichkeit stellen eine ganz eigene Atmo­sphäre her, die schon manch aufge­heizte Stimmung bei Demons­tra­tionen befriedet hat. Als Erpro­bungsraum will die Escola Popular Akti­ons­ge­meinden an verschie­denen Stellen aufbauen, die sich um Gottes­dienste an öffent­lichen Orten herum bilden.

Mögli­cher­weise reichen schon die kurzen Skizzen, um eines zu verdeut­lichen: Meistens gab es die Initia­tiven schon vor dem landes­kirch­lichen Prozess der Erpro­bungs­räume. 16 der 27 Projekte waren bereits gestartet, bei fünf hat sich durch die Aufnahme in das Programm eine neue Dynamik einge­stellt und nur sieben sind wirklich völlig neu. Für sie bildete der landes­kirch­liche Prozess den Anlass, eine z.T. länger gehegte Idee umzu­setzen. Das bedeutet auch, dass die Erpro­bungs­räume bisher bereits Bestehendes einsammeln, den anderen Gemein­de­formen Schutz gewähren, sie begleiten und voran­zu­bringen suchen. Die landes­kirch­liche Appro­bation bedeutet den Akteuren vor Ort meist viel: Aner­kennung und Wert­schätzung. Außerdem bringt es die Pioniere unter einem Schirm zusammen und bietet Möglich­keiten der Vernetzung, Weiter­bildung etc.

Ziel des Prozesses ist es freilich, dass sich Christen mit Pionier­geist und Verän­de­rungs­willen durch das landes­kirch­liche Programm aufmachen, neue Wege zu beschreiten. Dazu ist die Frage der Kultur entscheidend – nicht so sehr einzelne Modelle. Wie wird jemand »ange­sehen«, der Verän­de­rungs­ideen hat? Werden neue Veran­stal­tungs­formate mit Argwohn beäugt oder inter­es­siert disku­tiert? Verspüren Kritiker die Freiheit, ihrem Ärger Luft zu machen? Mit den Erpro­bungs­räumen will die EKM einen Schritt in Richtung inno­va­ti­ons­freund­liche Kirche gehen.

Histo­risch hat der Prozess seinen Ursprung in der Koope­ration bzw. Fusion der beiden früheren Landes­kirchen in Thüringen und Sachsen-Anhalt. In der Verfassung der EKM aus dem Jahre 2008 sind andere Gemein­de­formen ausdrücklich vorge­sehen: »Gemeind­liches Leben geschieht auch in verschie­denen Bereichen der Bildung, im Zusam­menhang beson­derer Berufs- und Lebens­si­tua­tionen, in geist­lichen Zentren und in Gruppen mit beson­derer Prägung von Fröm­migkeit und Enga­gement sowie in Gemeinden auf Zeit.« (Art. II, Abs. 2) Den Schwung der Verei­nigung nahm die erste Landes­synode mit, dachte und plante unter dem Motto »Als Gemeinde unterwegs«. Sie wollte in den ganzen Struk­tur­de­batten einen Kontra­punkt setzen: »Fragen und Themen der inneren und geist­lichen Entwicklung unserer Kirche und ihrer Gemeinden«16 waren auf der Agenda. Maßgeblich inspi­riert wurde der Prozess durch program­ma­tische Bischofs­be­richte, z.B. in den beiden Früh­jahren 2012/2013.17 Wiederholt forderte Landes­bi­schöfin Ilse Junkermann den Umbau. »Gemeinde neu zu denken« sei das Stichwort. Als man beim Gemein­de­kon­gress 2012 in Halle/​S. merkte, wie viele Menschen in der EKM dies bereits tun, war es zu den Erpro­bungs­räumen nur noch ein kleiner Schritt.18

So unter­stützte die Landes­synode im Herbst 2014 den vorge­legten Projekt­entwurf »Erpro­bungs­räume« und ermu­tigte, »neue Gemein­de­formen im säku­laren Kontext zu erproben. Hierzu bedarf es einer großen Offenheit. Die Landes­synode bittet das Landes­kir­chenamt, eine Steue­rungs­gruppe zur weiteren Ausge­staltung des Projektes einzu­setzen und ihr über den Stand des Projektes regel­mäßig zu berichten.«19 Mit diesem knappen Beschluss waren die Erpro­bungs­räume geboren und das Projekt­design vorge­geben: Eine vom Kollegium des Landes­kir­chen­amtes einge­setzte Steue­rungs­gruppe regelt das operative Geschäft. Ihr gehören zwölf Vertreter unter­schied­licher Bereiche und Regionen an. Der Fach­beirat begleitet deren Arbeit kritisch. Die Geschäfts­führung der »Erpro­bungs­räume« liegt im Dezernat Gemeinde (Referat Gemeinde und Seel­sorge) des Landes­kir­chen­amtes. An der Evaluation des Prozesses sowie einzelner Projekte sind das IEEG der Uni Greifswald sowie das SI der EKD beteiligt. Zur finan­zi­ellen Ausstattung hat die Landes­synode damals 2,5 Mio. Euro bewilligt, ein Betrag, der inzwi­schen zweimal aufge­stockt werden konnte.

Hinter­gründe und Motivation

Hinter­grund und zugleich Moti­vation zum Projekt sind verschiedene Entwick­lungen, die hier skiz­zenhaft darge­stellt werden:

1) Seit einigen Jahren schon lässt sich in der EKM beob­achten, dass bisherige volks­kirch­liche Muster, bewährte Prak­tiken und Sozi­al­formen dysfunk­tional geworden sind. Sie passen nicht mehr in eine Minder­hei­ten­si­tuation, sind aber weit­gehend fort­ge­führt worden. So gehorchen kirch­liche Planungen noch immer dem Para­digma einer flächen­de­ckenden haupt­amt­lichen Versor­gungs­kirche. Über­dehnung, Frus­tration und Ermüdung sind die Folgen. »Die Entwicklung ist an einem Punkt ange­langt, an dem deutlich gesagt und einge­standen werden muss: Wir sind am Ende unserer bishe­rigen Möglich­keiten. Für viele ist bitter: Alle Anstren­gungen bisher konnten die Verän­de­rungen nicht stoppen. Waren sie vergeblich, die Zusam­men­schlüsse …, die Neuzu­schnitte von Dienst­auf­trägen, … die kompli­zierten Gottes­dienst­pläne, die vielen gefah­renen Kilo­meter, die vielen Arbeits­stunden? So fragen sich viele.«20

2) Abschied nehmen und Sterben lassen führt zu neuen Frei­räumen. Eine konstruktive Ratlo­sigkeit bricht sich Bahn. »Radikal verän­derte Situa­tionen … besitzen das Potenzial, Inno­va­tionen zu stimu­lieren.«21 So kommt es neben den Erfah­rungen mit Abbrüchen auch zu ermu­ti­genden Aufbrüchen: Die Pfarr­scheune wird zum Begeg­nungs­zentrum im Dorf, Gemeinden feiern auch ohne Pfarrer*in Gottes­dienst, in Stadt­teil­zentren werden neue Ziel­gruppen mit dem Evan­gelium erreicht etc. Diese Aufbrüche orien­tieren sich weniger an gewach­senen Struk­turen. Geogra­phische Zustän­dig­keiten spielen eine unter­ge­ordnete Rolle. Statt auf Angebote zu festen Zeiten setzen sie auf netz­werk­artige Struk­turen, spontane Begeg­nungen und persön­liche Bezie­hungen. Solche Aufbrüche sollen mit den Erpro­bungs­räumen gesucht, gefördert und verstärkt werden.

3) Mit den skiz­zierten Entwick­lungen steht die EKM bzw. die EKD nicht allein: Ganz ähnlich ergeht es Bistümern und Landes­kirchen in der euro­päi­schen Nach­bar­schaft bzw. manch etablierten Kirchen weltweit. Neben dem allge­meinen Niedergang und der Dysfunk­tio­na­lität von Sozi­al­struk­turen lässt sich dort das Entstehen von anderen Gemein­de­formen beob­achten. So gibt es in der rasant schrump­fenden Protes­tan­ti­schen Kirche in den Nieder­landen inzwi­schen 84 pioniersplekken, in denen ca. 5000 Personen das erste Mal mit dem Glauben in Berührung gekommen sind.22 In Frank­reich und Öster­reich gründet man Basis­ge­meinden (Poitiers, Linz) oder ruft die »nouvelle Paroisse« (Lyon) aus.23 In Groß­bri­tannien schließlich ist man schon 2004 darauf aufmerksam geworden, dass sich an der Basis neue Formen von Kirche etabliert haben (fresh expres­sions of church).24 Wohin diese Umbrüche jeweils führen, ist nicht klar auszu­machen. Das Handeln der Kirchen­lei­tungen erfolgt (meist) tastend, reagierend und ermög­li­chend. Man nimmt auf, was bereits wächst, fördert es, versucht es zu multi­pli­zieren und expe­ri­men­tiert mit neuen Wegen.

4) Auch in anderen gesell­schaft­lichen Teil­be­reichen werden bisherige Sozi­al­formen porös, neue brechen sich – meist von der Basis her – Bahn. In der Sozio­logie unter­sucht man solche Sozialen Inno­va­tionen, die durch mehr Parti­zi­pation der direkt betrof­fenen Menschen zu einer besseren Befrie­digung der Bedürf­nisse führen (z.B. Carsharing).25 LEADER als Programm für länd­liche Entwicklung zeigt dabei, welche Rolle leitendes Handeln innehat: das Zusam­men­bringen lokaler Akteure, das Aufgreifen und Ermög­lichen ihrer Ideen. Solche Ansätze in Stadt- und Regio­nal­planung zu beob­achten, ist eine weitere wichtige Inspi­ra­ti­ons­quelle für den landes­kirch­lichen Prozess der Erprobungsräume.

Heraus­for­de­rungen und offene Fragen

Die bereits skiz­zierte Stra­tegie des prozess­haften Voran­tastens betrifft auch die Ebene der landes­kirch­lichen Steuerung. Es gibt damit bisher wenige Erfah­rungen. Die Erpro­bungs­räume stellen bislang ein singu­läres Programm in der EKD dar. So gab es immer wieder Punkte, wo die Steue­rungs­gruppe nach­jus­tiert hat. Und auch weiterhin sind wir mit Fragen konfron­tiert, deren kurzes Skiz­zieren diesen Beitrag beschließen soll:

1) Wo ordnet man einen Erpro­bungsraum in der Land­schaft der kirch­lichen Körper­schaften ein? Als Werk? Als Kirchen­ge­meinde? Als Verein? Zunächst wenig beachtet, taucht dieses Thema verstärkt auf. Neulich hörten wir von dem Wunsch zweier Erpro­bungsraum-Besucher, getauft zu werden. Wer ist dafür zuständig? In welche Bücher werden sie einge­tragen? Wer erhält die Kirchen­steuer für sie? Die bisherige Regelung, dass die jeweilige Parochie einspringt, ist auf Dauer nicht befrie­digend. Aller­dings benö­tigen die Erpro­bungs­räume auch »leichte« Struk­turen. Sonst drohen sie, schwer­fällig und unbe­weglich zu werden.

2) Wie steuert man eigentlich Verän­de­rungs­pro­zesse »von oben«? Die eigent­lichen Erneue­rungen werden von den Menschen vor Ort getragen. Doch wie erreicht und moti­viert man sie? Die landes­kirch­liche Steuerung der Erpro­bungs­räume setzte bisher auf Ausschrei­bungen im internen Pres­se­organ, Veröf­fent­li­chungen im Amts­blatt und Referate in leitenden Gremien. Dies alles sind bewährte Instru­mente einer Insti­tution. Die Reich­wei­ten­pro­ble­matik wird auch nur begrenzt durch eine verän­derte Öffent­lich­keits­arbeit gelöst, denn zentrale und teure Kampagnen verpuffen allzu leicht. Um Verän­de­rungs­willige an der Basis zu erreichen, bedarf es einer Steuerung im Netzwerk. Gerade, weil Christen mit Pionier­geist eher Grenz­gänger sind und selten in Gremien sitzen. Derzeit erproben wir alter­native Instru­mente bzw. Kanäle.

3) Was kommt nach den Erpro­bungs­räumen? Das landes­kirch­liche Programm ist zeitlich befristet. Nur fünf, maximal sechs Jahre kann die Förderung gewährt werden. Sie ist eher als Start­hilfe zu verstehen. Nach einiger Zeit müssen die Initia­tiven auf eigenen Füßen stehen. Deshalb sollen sie von Beginn an »alter­native Finanz­quellen« erschließen und bekommen nur 50% gefördert. Aller­dings wissen wir, dass neue Gemein­de­formen Zeit brauchen, bis sie sich etabliert haben. Die Protes­tan­tische Kirche in den Nieder­landen formu­liert eine ihrer Lern­er­fah­rungen mit dem »Pioneering« so: »More time needed than expected! … Expe­rience teaches us that pioneering places usually need five to ten years before they can be self-reliant.«26 Dieser eminent wichtige Punkt der Nach­hal­tigkeit wird die Steue­rungs­gruppe weiter beschäftigen.

 

 

 

Anmer­kungen:

1 Mehr darüber unter www​.herz​schlag​.me. Die Aussagen wurden von Gina während eines Video­drehs gemacht.

2 So sagt es die »Ordnung« für das Projekt »Erpro­bungs­räume« vom 27.10.2015. Zu finden unter www​.erpro​bungs​raeume​-ekm​.de.

3 So werden Erpro­bungs­räume z.B. in der Juni 2016-Ausgabe der »Zeit­schrift für Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wicklung und Gemein­de­be­ratung« verstanden: Die Rubrik »Erpro­bungs­räume« wird mit folgender Frage näher bestimmt: »Welche Verän­de­rungen in der regio­nalen Zusam­men­arbeit tauchen auf?« (Heft 16, Juni 2016, 5).

4 Vgl. dazu die Evaluation der Reform des Kirchen­kreises Witt­stock-Ruppin, hg. v. Martin Alex, Juliane Kleemann und David Lissig, (Material des EKD-Zentrum für Mission in der Region) Dortmund 2012.

5 Eine der Möglich­keiten im Prozess »So kann es gehen … – Gemeinden erproben neue Wege«, der beim Gemein­de­dienst der Nord­kirche ange­siedelt ist (vgl. www​.gemein​de​dienst​-nord​kirche​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​s​/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​g​e​m​e​i​n​d​e​n​-​e​r​p​r​o​b​e​n​-​n​e​u​e​-​w​e​g​e​.​h​tml).

6 So Manuel Slupina in Land­InForm 2/2015, 47. Der Beitrag ist über­schrieben mit: »Wir brauchen Frei­räume, um zu experimentieren.«

7 Vgl. dazu die Studie des Berlin-Instituts für Bevöl­kerung und Entwicklung (Hg.), Von Hürden und Helden. Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt, Berlin 2015, 11–18.28–30.

8 Gespräche mit Vertretern der west­fä­li­schen Landes­kirche haben uns darin bestärkt. Nach einge­hender Diskussion dieser Frage hatte man sich dort entschieden, einzel­fall­be­zogen zu reagieren.

9 Stephan Beetz, Inno­va­ti­ons­mi­lieus und Inno­va­ti­ons­deu­tungen in ländlich-peri­pheren Regionen, in: Land­liebe-Land­leben. Länd­licher Raum im Spiegel von Sozi­al­wis­sen­schaften und Planungs­theorie, hg. v. Uwe Altrock u.a. (Planungs­rund­schau 12/2005), 51–67, 64.

10 Thomas Schlegel/​Jörg Zehelein/​Claudia Heidig/​Andreas Turetschek/​Stefanie Schwen­ken­becher und Heike Brei­ten­stein, Land­auf­wärts – Inno­vative Beispiele missio­na­ri­scher Praxis in peri­pheren, länd­lichen Räumen. Die Greifs­walder Studie, in: Freiraum und Inno­va­ti­ons­druck. Der Beitrag länd­licher Kirchen­ent­wicklung in »peri­pheren Räumen« zur Zukunft der evan­ge­li­schen Kirche, hg. v. Kirchenamt der EKD, (KiA 12) Leipzig 2016, 171–344, 333.

11 Am rele­van­testen in diesem Zusam­menhang Isabel Hartmann/​Reiner Knieling, Gemeinde neu denken. Geist­liche Orien­tierung in wach­sender Komple­xität, Gütersloh 2014.

12 Freilich können Projekte, die noch nicht gestartet sind, die Einhaltung der Kriterien nur beabsichtigen.

13 Diese gestufte Variante haben wir von Beginn an mitge­dacht, um die Latte für kleinere Projekte nicht zu hoch zu hängen.

14 So die immer noch hilf­reiche Formu­lierung von Uta Pohl-Patalong, Von der Orts­kirche zu kirch­lichen Orten: ein Zukunfts­modell, 2. erw. und überarb. Aufl., Göttingen 2006.

15 Vgl. www​.escola​-popular​.de.

16 So beschrieb Dietlind Stein­höfel den Weg in »Glaube und Heimat« (2.12.2014).

17 Ilse Junkermann, »Ihr alle seid durch die Taufe berufen …!« (Frühjahr 2012) und »… sondern die zukünftige suchen wir.« (Frühjahr 2013). Zu finden unter www​.ekmd​.de/​k​i​r​c​h​e​/​l​a​n​d​e​s​b​i​s​c​h​o​e​f​i​n​/​b​e​r​i​c​h​t​e​_​s​y​n​o​de/.

18 Der Kongress stand unter dem Motto »Lass wachsen.« Gemeinden der EKM wurden gebeten, ihre tägliche und außer­all­täg­liche Arbeit zu präsen­tieren. Der Katalog gibt noch immer einen leben­digen Eindruck von der Vielzahl der Initia­tiven www​.gemein​de​dienst​-ekm​.de/​s​e​r​v​i​c​e​-​k​o​n​t​a​k​t​/​a​r​c​h​i​v​/​g​e​m​e​i​n​d​e​k​o​n​g​r​e​ss/.

19 So der Beschluss 6.2 der 14. Tagung der I. Landes­synode vom 19.–22. November 2014 in Erfurt. Näheres unter www​.ekmd​.de/​k​i​r​c​h​e​/​l​a​n​d​e​s​s​y​n​o​d​e​/​t​a​g​u​n​g​en/.

20 Ilse Junkermann, Gemeinde neu finden – vom Rückbau zum Umbau, in: VELKD-Infor­ma­tionen 145/2014, 2–6, hier 2f.

21 Eberhard Hauschildt/​Michael Herbst/​Thomas Schlegel, Gemein­sames Fazit und Thesen, in: Freiraum und Inno­va­ti­ons­druck (vgl. Anm. 10), 399–406, hier 405.

22 www​.protes​tant​sekerk​.nl/​p​i​o​n​i​e​ren.

23 Vgl. dazu das schon klas­sische Einfüh­rungsbuch: Reinhard Feiter/​Hadwig Müller (Hg.), Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof? Ermu­ti­gende Erfah­rungen der Gemein­de­bildung in Poitiers, 6. Aufl., Ostfildern 2014.

24 Vgl. www​.fres​hex​pres​sions​.org​.uk/. Auch in Deutschland hat sich ein Netzwerk von Sympa­thi­santen gegründet, die Idee und Ansatz der engli­schen Bewegung in Deutschland streuen und für deutsche Verhält­nisse adap­tieren wollen. Die EKM gehört neben fünf anderen Landes­kirchen bzw. Bistümern und freien Werken zum »Fresh X – Netzwerk e.V.« (vgl. http://​fres​hex​pres​sions​.de/).

25 Vgl. den einfüh­renden Reader von Jürgen Howaldt/​Heike Jacobsen (Hg.), Soziale Inno­vation. Auf dem Weg zu einem post­in­dus­tri­ellen Inno­va­ti­ons­pa­ra­digma, Wies­baden 2010.

26 Protes­tantse Kerk (Hg.), Fingers Crossed. Deve­lo­p­ments, lessons learnt und chal­lenges after eight years of pioneering, Utrecht 2017, 13.