Gemeindekurator für die Förderung des Ehrenamtes

In Bad Frankenhausen-Sondershausen werden Ehrenamtliche fit für Verwaltungsaufgaben gemacht

Entlastung von Verwaltungsaufgaben wünschen sich viele Kirchenkreise und Pfarrämter. Hier versucht ein Kirchenkreis, durch einen Gemeindekurator Ehrenamtliche für diese Aufgabe fit zu machen. Und hat schon eine Liste, was man dann Missionarisches vor Ort tun könnte…

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Erprobungsraum seit 2016           

  

Vorbemerkung der Steuerungsgruppe zu den "Kirchmeisteranträgen"

Zu den vierunddreißig eingegangenen Anträgen des ersten Ausschreibungszeitraumes in Sachen „Erprobungsräume“ gehören vier, die ein verständliches Anliegen aufgreifen: Wäre unserer kirchlichen Landschaft nicht auch geholfen, wenn Haupt- und Ehrenamtliche unserer Kirchengemeinden und Kirchenkreise von manchen Teilen des gestiegenen Verwaltungsaufwandes befreit würden? Braucht es für einige Aufgaben nicht in Wirklichkeit Fachleute in Sachen Finanzverwaltung, Bau, Fundraising, Management…? Könnte man sich dann nicht viel eher auch mit missionarischen Anliegen beschäftigen, wenn man dafür mehr die Hände oder den Kopf freibekäme?

So kommt schnell die Idee auf, genau solches durch die Anstellung eines geeigneten hauptamtlichen Mitarbeiters auf Kirchengemeinde- oder Kirchenkreisebene oder in einer Region zu befördern. Die Steuerungsgruppe für die Erprobungsräume konnte dem gut folgen, sah sich jedoch mit gutem Grund an die für ihr Anliegen beschlossenen Förderrichtlinien gebunden, so etwa an die Erfüllung der sieben für die Anerkennung als Erprobungsraum vereinbarten Kriterien. Aber es sei hier versichert: Der dringende Handlungsbedarf ist - bis hin zur Kirchenleitung - deutlich vernommen worden.

Mit einem dieser vier Anträge machte die Steuerungsgruppe eine Ausnahme in Sachen Anerkennung als modellhafter Erprobungsraum: Der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen stellt in Aussicht, einen Gemeindekurator anzustellen, der sachkundig geeigneten ehrenamtlich Aktiven bei der Erfüllung der oben angesprochenen Aufgaben zur Seite steht. Und es gibt schon genauere Vorstellungen davon, was an missionarischen Aktivitäten dann auch geschehen könnte. Hier eine Kurzbeschreibung, die der Kirchenkreis nun der Steuerungsgruppe zukommen ließ:


Kurzbeschreibung zum Erprobungsraum „Gemeindekurator“

Ziel aller Erprobungsräume ist es, Menschen das Evangelium zugänglich zu machen. Dazu gibt es Modell- und Beispielprojekte; die bei den Menschen ansetzen, welche von Kirchengemeinden bisher nicht angesprochen wurden. Aber was ist mit denen, die von der Kirche nicht mehr angesprochen werden können, weil die zeitliche Kapazität der Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst für immer größere Gebiete benötigt wird?

Wir stellen fest, dass Strukturreformen und struktureller Wandel eine intensive Einbindung der Pfarrerinnen und Pfarrer in Verwaltungsaufgaben mit sich bringen und den Verwaltungsaufwand nicht minimiert, sondern z.T. erheblich vergrößern. Wer z.B. bisher nur die kirchlichen Gebäude in drei Orten zu managen hatte, der hat nun möglicherweise die Gebäude in zehn Orten zu verwalten, statt drei nun zehn Gemeindekirchenräte, örtlichen Beiräte...

Dem Lösungsansatz, dass derartige Aufgaben nicht ins primäre Aufgabenfeld von Mitarbeitenden des Verkündigungsdienstes gehören und von ehrenamtlich Mitarbeitenden aus den Gemeinden übernommen werden sollen (wie es auch die Verfassung der EKM vorsieht), folgt das Modellprojekt „Gemeindekurator“. Verwaltungsverantwortung zu übernehmen will gelernt sein und nicht jeder oder jedem geht es leicht von der Hand, eine Vielzahl von Verordnungen zu beachten und jeweils drei Kostenvoranschläge einzuholen.

Der Gemeindekurator soll bei genau diesem Lernprozess unterstützend tätig werden. Dabei geht es nicht um die Entwicklung von Seminarangeboten, sondern um punktgenaue Unterstützung vor Ort, welche die langfristige Befähigung von Ehrenamtlichen einerseits und die Freisetzung der Mitarbeitenden des Verkündigungsdienstes von vielen Verwaltungsarbeiten andererseits zum Ziel hat. Das Tätigkeitsgebiet des Gemeindekurators ist primär von beratenden Aufgaben zum Beispiel in den Bereichen Finanzierung, Fundraising, Koordination, Netzwerkarbeit, Friedhofsverwaltung usw. geprägt. Punktuell können auch kommissarisch Aufgaben übernommen werden.

Diese Tätigkeit geht Hand in Hand mit dem Ausbau und der Verstärkung der missionarischen Aktivität der Mitarbeitenden des Verkündigungsdienstes. Bisher sind in drei Regionalpfarrämtern sechs konkrete Arbeitsbereiche geplant, zum Beispiel der Ausbau der Pfadfinderarbeit, der Aufbau einer neuen Besuchsdienstarbeit oder spezielle Angebote für junge Eltern. Der Erprobungsraum Gemeindekurator bildet damit einen notwendigen „(Um)weg“ um unseren Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst Zeit und Raum zu schaffen, damit sie das tun können wozu sie berufen und ausgebildet sind: Menschen in Kontakt mit dem Evangelium zu bringen. Wir sind dankbar für jedes Gebet, das dieses Ziel unterstützt.

Der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen