Gottes­dienst und Spiri­tua­lität in Erprobungsräumen

Juni 6, 2023 | Reflexion & Evaluation

Eine Hand hält einen Stift über ein Feedback-Formular mit grünen, gelben und roten Smileys sowie Kontrollkästchen, die verschiedene Zufriedenheitsgrade anzeigen.

Gottes­dienst und Spiri­tua­lität in neuen Gemeindeformen

Forschungs­er­geb­nisse aus sechs Jahren wissen­schaft­li­cher Begleitung

Eine Gruppe von Menschen sitzt im Kreis auf dem Boden um ein festlich angerichtetes Picknick herum und genießt gemeinsam das Essen und die Unterhaltung in einer gemütlichen Atmosphäre im Innenbereich.Seit Beginn des Erpro­bungs­raum-Programms wurden Erpro­bungs­räume wissen­schaft­lich begleitet und von zwei Insti­tuten evalu­iert.
Bis 2022 evalu­ierten das Sozi­al­wis­sen­schaft­liche Institut (SI) in Hannover, sowie das Institut zur Erfor­schung von Evan­ge­li­sa­tion und Gemein­de­ent­wick­lung (IEEG) in Greifs­wald 15 geför­derte Erpro­bungs­raum Projekte. Seit 2023 erhebt das SI Daten aller EPRs durch ein jähr­li­ches Moni­to­ring und die MKG (Forschungs­stelle Missio­naler Kirchen- & Gemein­de­ent­wick­lung) in Halle/​Saale erforscht zukünftig vertieft einzelne EPRs.

Im Rahmen der Litur­gi­schen Konfe­renz der EKD in Hildes­heim hielt Dr. Gunther Schendel, Teil der Forschenden des Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts, im März 2023 einen Vortrag zu den Erkennt­nissen, die die Forschenden in den letzten sechs Jahren gewonnen haben.

Es folgt die Glie­de­rung und das Fazit des Vortrags. Der gesamte Vortrag von Herrn Dr. Gunther Schendel steht hier zum Down­load bereit.

SCHENDEL Gottes­dienst in den Erpro­bungs­räumen der EKM (3–2023)


Gottes­dienst und Spiritualität in neuen Gemeindeformen 

Ergeb­nisse aus den Erprobungsräumen in der Ev. Kirche in Mitteldeutschland

Gunther Schendel

1. Einlei­tung: Gottes­dienst und Kirchen­ent­wick­lung gehören zusammen 

2. Die Erprobungsräume der EKM ein kurzer Blick auf ein Innovationsprogramm

3. Neue Gemein­de­formen, neue Formen von Gottes­dienst und Spiritualität?

Typ 1: Gemeinde als Insti­tu­tion ehren­amt­lich und sozialraumorientiert 

Typ 2: Konvi­venz – kommunitäres Mitleben vor Ort 

Typ 3: Jugend­kul­tu­rell zwischen Netz­werk und Gemeindebildung 

Typ 4: Neue kirch­liche Orte 

4. Litur­gi­sche Bündelung: Kontext, Zeiten und Orte, Akteur*innen

5. Fazit

Als Fazit lassen sich thesen­artig drei Ergeb­nisse festhalten: 

1. Das litur­gi­sche, auch das spiri­tu­elle Leben in den Erprobungsräumen ist so vielfältig, wie es die Gemein­de­formen sind. Im Erpro­bungs­modus setzt sich die Plura­li­sie­rung des Gottes­dienstes fort. Den Krite­rien des Förderprogramms entspre­chend gilt das vor allem für die Kontext­ori­en­tie­rung und die Abwei­chung von der paro­chialen Logik. 

2. Die dabei betätigten Stell­schrauben (Kontext, Ort & Zeit, Akteur*innen) sind natürlich nicht völlig neu; Ziel­grup­pen­got­tes­dienste wie das „Zweite Programm“ haben an diesen Stell­schrauben bereits häufig ange­setzt. Das „Neuean den Erprobungsräumen (wie an den im „Atlas“ unter­suchten „neue Gemein­de­formen“) ist der viel­fach anzu­tref­fende Zusam­men­hang zu einer Sozi­al­form, zu einer sozialen Praxis. Hier steht das litur­gi­sche Leben nicht mehr oder weniger isoliert da, sondern es ist Teil eines umfas­sen­deren Sets von Kommu­ni­ka­tion, sozialen Prak­tiken und Werten und damit selbst eine soziale Praxis.

3. Rele­vant sind die litur­gi­schen Expe­ri­mente aus den Erprobungsräumen auch deshalb, weil sie die Chancen gottes­dienst­li­cher  Hand­lungs­formen in einem weithin säkularisierten Kontext erproben. Neben (religiöser) Nied­rig­schwel­lig­keit und Erleb­nis­ori­en­tie­rung spielen Aspekte der religiösen Bildung eine Rolle. Hierzu gehört die Elemen­ta­ri­sie­rung genauso wie das Einüben und Performen oder wie die Gestal­tung als Gesprächsgottesdienst. Dabei wird viel­fach deut­lich, dass es in der meist respon­siven Perspek­tive der Erprobungsräume nicht um Unifor­mie­rung geht, sondern um eine Kirche mit vielfältigen Zugängen. Darum spielen sich die Lern­pro­zesse nicht nur bei den Menschen ab, die mit den Erprobungsräumen in Berührung kommen, sondern auch bei den Verant­wort­li­chen in den Erprobungsräume selbst. Die Erprobungsräume stehen für eine lernende Kirche, also für eine Kirche, die bewusst lernen will. Das gilt nicht zuletzt auch mit Blick auf das gottes­dienst­liche Leben. 

Dr. Gunther Schendel, Sozi­al­wis­sen­schaft­li­ches Institut der EKD, 

gunther.​schendel@​si-​ekd.​de

 

Teilen auf

Ähnliche Inhalte

Moni­to­ring 2024

Moni­to­ring 2024

Das jähr­liche Moni­to­ring bietet den Leitungs- und Steue­rungs­ebenen der EKM einen hand­lungs­ori­en­tierten Über­blick über den aktu­ellen Stand der EPR-Projekte. Inhalt­lich konzen­triert sich die Erhe­bung auf das Projekt­profil anhand der sieben EPR-Kenn­zei­chen, den aktu­ellen Stand samt Bera­tungs­be­darf sowie die wahr­ge­nom­menen Wirkungen der EPR.

mehr lesen
a